Behind the Scenes

Aus dem Feld

Geschichten, Momente und Gedanken direkt aus der Natur – wie die Bilder wirklich entstehen.

Buntspechte kurz vor dem Ausfliegen

Zwei Tage, zwei Jungvögel, ein Abflug den ich nie vergessen werde

Buntspecht an der Höhle – Kreis Heinsberg

Über zwei Tage hinweg verbrachte ich mehrere Stunden im Wald, um eine Buntspechtfamilie kurz vor dem Ausfliegen der Jungvögel zu beobachten. Dabei entstanden viele Bilder und ruhige Momente des Wartens, Beobachtens und Zuhörens.

Bereits am ersten Tag war zu erkennen, dass die Jungvögel kurz davorstanden, die Höhle zu verlassen. Anfangs waren nur leise Bettelrufe aus dem Inneren des Baumes zu hören, später erschien vorsichtig der erste Schnabel am Höhleneingang. Mit jeder Fütterung wagten sich die Jungvögel etwas weiter nach draußen.

Buntspecht Altvogel bei der Fütterung
Buntspecht Jungvogel am Höhleneingang

Besonders spannend war das Verhalten der Altvögel. Sie blieben zunehmend etwas tiefer am Stamm sitzen und wirkten fast so, als würden sie die Jungvögel aktiv aus der Höhle herauslocken. Immer wieder wurde gerufen, gefüttert und aufmerksam beobachtet.

Am zweiten Morgen war die Veränderung deutlich spürbar. Einer der Jungvögel saß erstmals sichtbar außerhalb der Höhle am Stamm und beobachtete aufmerksam seine Umgebung. Kurz darauf flog er dem Elterntier hinterher in den Wald. Wenig später folgte auch das zweite Jungtier direkt aus der Höhle heraus.

Als schließlich beide Jungvögel ausgeflogen waren und nur noch der leere Stamm im Wald zurückblieb, entstand für einen kurzen Moment eine besondere Ruhe. Genau diese kleinen, unspektakulären Augenblicke bleiben oft am längsten in Erinnerung.

Für mich sind genau solche Begegnungen der Grund, weshalb mich Naturfotografie so fasziniert. Es geht nicht nur um einzelne Bilder, sondern um Geduld, Ruhe und darum, natürliche Verhaltensweisen über längere Zeit beobachten zu dürfen, ohne die Tiere zu beeinflussen.

Buntspecht Jungvogel kurz vor dem Ausflug
KameraNikon Z6 III
ObjektivSigma 150-600 Contemporary
Zeitraum2 Tage · ca. 6 Stunden
OrtKreis Heinsberg, NRW
LichtMorgenlicht, bewölkt
Abstandca. 8 Meter

Jedes Bild hat eine Geschichte.

Geduld, Stille und Respekt vor der Natur – das sind die Voraussetzungen für Bilder die wirklich etwas zeigen.

Rotkehlchen im Schnee

Top 32 – Vogelfoto des Winters 2025/26 · Vogelfotografie Deutschland

Rotkehlchen im Schnee – High-Key Winteraufnahme

Dieses Bild entstand an einem kalten Wintermorgen auf einer verschneiten Brücke mitten im Stadtpark. Eigentlich war ich an diesem Morgen ohne konkrete Erwartungen unterwegs – die frische Schneedecke und das weiche Licht machten die Stimmung aber sofort besonders.

Während ich mich langsam über die Brücke bewegte, bemerkte ich plötzlich ein Rotkehlchen, das am Boden direkt auf mich zu hüpfte. Statt klassischer Wildlife-Aufnahmen mit viel Umgebung wollte ich die ruhige, fast minimalistische Winterstimmung einfangen. Deshalb entschied ich mich bewusst für eine helle High-Key-Bildgestaltung, bei der die Schneelandschaft nahezu vollständig im Weiß verschwindet.

Der kleine Vogel mit seiner leuchtend orangenen Brust hebt sich dadurch stark vom Hintergrund ab und wird zum einzigen echten Mittelpunkt des Bildes. Gerade diese Reduktion macht die Aufnahme für mich so besonders – ein stiller Moment mitten im Winter, aufgenommen nur wenige Minuten entfernt vom Alltagstrubel der Stadt.

Durch eine Belichtungskorrektur von +2 EV blieb der Schnee bewusst hell und unterstützte den gewünschten Fine-Art-Look der Szene.

KameraNikon Z6 III
ObjektivSigma 150-600
Brennweite550 mm
Blendef/8
Verschlusszeit1/640 s
ISO10.000
Belichtungskorrektur+2 EV

Gottesanbeterin im hohen Gras

Manche Begegnungen entstehen nicht geplant – sondern dadurch, dass man langsam genug unterwegs ist

Die Gottesanbeterin entdeckte ich früh am Morgen zwischen hohem Gras auf einer offenen Wiesenfläche. Anfangs war sie nahezu unsichtbar. Erst durch kleine Bewegungen zwischen den Halmen fiel ihre typische Körperform auf. Gerade das macht solche Momente für mich besonders faszinierend: Tiere, die perfekt an ihre Umgebung angepasst sind und erst sichtbar werden, wenn man sich Zeit nimmt.

Gottesanbeterin im hohen Gras – Kreis Heinsberg
Gottesanbeterin Frontalansicht – Detailaufnahme

Für die Aufnahmen war vor allem Geduld entscheidend. Durch den Wind bewegten sich die Gräser ständig und die schmale Schärfeebene machte jede kleine Bewegung sichtbar. Deshalb entstanden viele Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven und mit sehr ruhiger Kameraführung, um die feinen Details der Augen, Fangarme und Körperstruktur festhalten zu können.

Besonders spannend war die direkte Frontansicht. In dieser Perspektive wirkt die Gottesanbeterin fast unrealistisch – ruhig, aufmerksam und gleichzeitig sehr präsent. Zwischen den weichen Grüntönen der Wiese entstand dabei eine sehr reduzierte und natürliche Bildstimmung.

Gottesanbeterin zwischen Grashalmen

Neben den Nahaufnahmen wollte ich auch etwas von der Umgebung zeigen. Deshalb entstanden zusätzlich einige ruhigere Aufnahmen im Gras sowie kurze Behind-the-Scenes-Momente unterwegs mit Kamera und Stativ auf den offenen Wiesenflächen.

Solche Begegnungen erinnern mich immer wieder daran, wie viel Leben selbst in den unscheinbaren Bereichen einer Wiese verborgen ist. Oft reicht es, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.

KameraNikon Z6 III
ObjektivSigma 105mm f/2.8 Makro
OrtKreis Heinsberg, NRW
DatumAugust 2025
LichtMorgenlicht, bewölkt
BTS-KameraInsta360

Jedes Bild hat eine Geschichte.

Geduld, Stille und Respekt vor der Natur – das sind die Voraussetzungen für Bilder die wirklich etwas zeigen.